Von Pechvögeln und guten Seelen

Ein Bericht von Langzeitärztin Barbara Hünten-Kirsch aus Nairobi, Kenia

Baraka Medical Centre

Immer wieder sind es die sozialen Notfälle, die am meisten berühren. So wurden zwei elendiglich unterernährte Kinder in unsere Ambulanz gebracht; Geschwister: der kleine Junge – etwas über zwei Jahre alt – wog noch keine 6 kg, das Mädchen – ein Baby von zwei Monaten – gerade 2,7 kg. Die Mutter hatte die Kinder vor einem Monat verlassen und das Baby wurde seither nur mitKuhmilch und Wasser ernährt. Um es noch schlimmer zu machen: der HIV-Test des Babys ist positiv. In diesem Alter bedeutet das noch nicht, dass das Kind HIV-infiziert sein muss. Es könnten auch noch die Antikörper der HIV-infizierten Mutter sein, die im Blut des Kindes nachweisbar sind. Ein Test, um das Virus direkt nachzuweisen, soll nun gemacht werden. Zum Glück können beide Kinder in unser Ernährungsprogramm aufgenommen werden. Das kleine Mädchen sieht nach einer Woche Babymilch schon viel besser aus.

Auch bei manchen unserer Mitarbeiter schlägt das Schicksal immer wieder erbarmungslos zu: eine unsere Übersetzerinnen scheint das Unglück geradezu anzuziehen. Vor wenigen Wochen wurde der bei ihr lebende Neffe – ein Waisenkind – nachts auf dem Weg zur Toilette zusammengeschlagen und mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Blutung im Kopf wurde befürchtet, was sich aber glücklicherweise nicht bestätigt hat. Kurze Zeit später wurde sie selbst überfallen und das Monatsgehalt abgenommen. Sie war wohl beobachtet worden, wie sie am Bankautomaten Geld abgeholt hatte. Vor zwei Wochen nun sind ihre Hütte sowie die Häuser in der Umgebung vollständig abgebrannt; sämtliche Habe fiel den Flammen zum Opfer. Und doch geht das Leben weiter. In ihrem Fall konnten wir (die Ärzte) zusammenlegen, um für eine neue Bleibe inklusive Inventar zu sorgen. Ihren Nachbarn geht es da leider schlechter….

Container der HIV-Klinik

Bewundernswert ist für mich immer wieder die Großherzigkeit unserer Mitarbeiter, wie z. B. die von Rose. Mercy (8 Jahre alt) und Kevin (11) haben bei den Großeltern gelebt. Die Mutter, Wirwe, hat wieder geheiratet und ihr neuer Mann will die beiden Kinder nicht. Nun sind die Großeltern gestorben und Mercy kam zur Mutter, die allerdings unter ganz großem Druck steht, das Mädchen wieder loszuwerden. Kevin fristet sein Leben auf der Straße und wurde dort von Rose völlig abgerissen aufgelesen. Rose hat ihn mit zu sich nach Hause genommen. Für den Jungen ist es nicht einmal selbstverständlich, dass er mit der Familie isst. Rose muss ihn extra dazu einladen. Er kann auch kaum glauben, dass die Decke, die Rose ihm gibt, damit er nachts etwas zum Zudecken hat, wirklich für ihn ist. Rose möchte nun, dass er bei ihr bleibt. Sie will auch noch seine Schwester Mercy aufnehmen, sobald geklärt ist, wer für die Schule zahlt (Wenn auch der Schulbesuch frei ist, so muss doch für Uniform, Schuhe und Bücher bezahlt werden).

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Die ersten Tage in Nairobi als “German Doctor”

Ein Bericht von Elisabeth Plattfaut aus Nairobi, Kenia

Eine etwas andere Klink

Seit 10 Tagen bin ich nun in Nairobi und habe schon sehr viel erlebt. Die German Doctors wohnen für die Zeit ihrer Tätigkeit (in der Regel sechs Wochen) gemeinsam in einer Art Ärzte-WG. Neben den fünf Kollegen gibt es eine Langzeitärztin – Dr. Barbara Hünten-Kirsch – die das Baraka-Projekt ärztlich leitet. Sie lebt seit über einem Jahr hier und unterstützt und berät die Kurzzeitkollegen. Ihr großer fachlicher und menschlicher Einsatz ist beeindruckend und alle Nachfragen der Greenhorns werden immer geduldig und umfassend beantwortet. Gerade in den ersten Tagen, in denen ich mich oft von der Schwere der Erkrankungen und ausgeprägten Armut der Menschen überwältigt fühlte, war Barbara eine große Hilfe. Wichtig ist auch der Austausch mit den anderen Kollegen, die teilweise schon mehrere Einsätze an unterschiedlichen Standorten geleistet haben und mir als Ersttäterin oft weitergeholfen haben.

Mit Vorfreude auf dem Weg zur Arbeit

Jeden Morgen nach dem Frühstück machen wir uns auf den etwa 20-minütigen Fußweg zur Baraka-Ambulanz im Mathare-Slum. Der Weg führt an einer anderen „Klinik“ vorbei. Die Vorfreude auf die Arbeit zeigt sich schon im fröhlich-entschlossenen Ausschreiten der Kolleginnen. Nachdem wir gut die Hälfte des Weges zurückgelegt haben, bietet sich von einer Anhöhe ein erster Ausblick auf das Slum.

Ausblick auf das Mathare-Slum

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Durch Essen gesund werden

Ein Bericht von Isabel Herrero über ihren Einsatz in Chittagong, Bangladesch

Jeden Mittwoch macht sich einer unserer Ärzte zusammen mit Brayan Anthony, unserem Koordinator, auf den Weg ins CbC (Community-based Project for malnourished Children – Gemeinschaftsprojekt für unterernährte Kinder). Unser neu aufgebautes Feedingzentrum liegt zentral in einer der Slumgebiete, eine ca. 15-minütige Rikshaw-Fahrt entfernt von unserem festen Einsatzort im MCPP (Medical Centre for the Poorest of the Poor) in Pathergata.

Schon die Fahrt dorthin vorbei an Scharen von Schulkindern, emsigen Straßenverkäufern und sonnengegerbten Fischern ist abenteuerlich. Viele unserer Patienten kommen aus dem Viertel, in dem das Feedingzentrum liegt. Meistens leben dort mehrköpfige Familien auf engem Raum in Behausungen, die aus einem einzigen Zimmer bestehen, in welchem gekocht, gewohnt und geschlafen wird. Meist wurden die Hütten aus Bambus oder alten Holzstücken auf Lehmboden gebaut. Vor den Häuserreihen schlingen sich enge Gänge, oft dunkel, voller Müll und Fliegen. Fließendes sauberes Wasser und Latrinen gibt es an einigen Punkten im Slum, meist aber in unzureichender Anzahl und oft in unvorstellbarem hygienischen Zustand.

Essensausgabe für Kinder im Feedingzentrum im Rahmen des "Community based projects for malnourished children" in Chittagong, Bangladesch. Foto von Isabel Herrero

"Essen ist fertig"

Das CbC selbst fällt schon durch seine Geräumigkeit auf. So sauber und schlicht wirken die Räume wie eine kleine Oase. Zur Zeit erscheinen ca. 30 Kinder täglich im Zentrum. Ein Teil wird durch unsere German Doctors aus der Ambulanz eingewiesen, ein anderer Teil durch unsere Sozialarbeiterinnen, die regelmäßig die Slums aufsuchen. Die Kinder dürfen bis zu ihrem fünften Lebensjahr im Zentrum betreut werden, wenn sie nicht zu krank oder zu schwach sind und die Kriterien der Unterernährung erfüllen, welche durch Gewicht, Größe und Armumfang (MUAC – Mid Upper Arm Circumference) bestimmt werden. Einmal aufgenommen sollen sie, wenn möglich, jeden Tag in Begleitung eines Betreuers in das Feedingzentrum kommen.

Ernährt werden die Kinder mit selbstgekochtem Essen aus unserer Küche im Feedingzentrum. Die Mitarbeiter bereiten dort täglich warme Mahlzeiten vor, z. B. Kichuri (deftig) aus Reis, Linsen und Gemüse bestehend oder Halwa (süß) aus Mehl, Linsen und Zucker. Wichtig neben kindgerechtem Geschmack ist auch die Kalorienanzahl! Zwischen den Mahlzeiten werden die Kinder und die Mütter von den Sozialarbeitern betreut. Es erfolgen Lehrklassen für Kinder und Mütter, sowie einzelne Beratungsgespräche für die Mütter.

Fröhliche Kinder im Feedingzentrum des "Community based projects for malnourished Children" in Chittagong, Bangladesch. Foto von Isabel Herrero

Fröhliche und überraschte Kinder im CbC

Wir Ärzte untersuchen die Kinder einmal wöchentlich, was zum einen dazu dient die Gewichtzunahme zu kontrollieren und zum anderen den Gesundheitszustand zu überprüfen. Schließlich handelt es sich ja zum Teil um schwer unterernährte Kinder, die oft durch banale Infekte schnell und schwer krank werden. Nachdem sie durch unsere Krankenschwester gewogen und gemessen wurden, untersuchen wir schließlich die Kleinen und erstellen Medikamenten- und Ernährungspläne. In manchen Fällen, z. B. bei fehlender Gewichtszunahme, werden auch weitere Untersuchungen in unserer Ambulanz oder im Krankenhaus eingeleitet, um nicht ernstere Grunderkrankungen wie eine Tuberkulose zu übersehen.

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Auf Rolling Clinic in San Fernando

Ein Bericht von Luisa Stefanski auf Mindanao, Philippinen

Sonntagabends ist es voll im “Doctors’ House” in Cagayan de Oro. Montags treffen sich die beteiligten Ärzte hier bevor es mit den verschiedenen Rolling Clinics losgeht. Der Langzeitarzt von Cagayan kommt auch noch auf einen Kaffee vorbei. Es werden Geschichten ausgetauscht und Neulinge wie ich hören gespannt zu. Am nächsten Morgen brechen wir dann auf. Als Erstes lernt man sein Team kennen: Nelson der Fahrer, Maricel die Apothekerin, Kenny die Übersetzerin und Joyceline an der Patientenaufnahme. Der Notfallkoffer wird vor der Fahrt noch kontrolliert – man hofft innerlich, von der Beatmungsmaske nicht Gebrauch machen zu müssen. Mit sechs Leuten und dem Kofferraum voll mit Medikamenten, Proviant und eigenem Gepäck wird es im Auto ganz schön eng. Jeder freie Raum wird ausgenutzt – jemand hält einen Karton mit Eiern auf dem Schoss, ich bekomme die Ananas-Tüte; ein Reissack ragt seitlich zum Auto hinaus. Der mitfahrende Zahnarzt meint, wir würden tatsächlich wie die “Hühner auf der Stange” sitzen. Daraufhin gackern wir erst recht los.

Straße San Fernando Area

Unser Ziel ist die Gegend von San Fernando, eine bergige Gegend mit vielen Dörfern der indigenen Bevölkerung, den sogenannten Manubo. Wie bereits in anderen Ländern sind sie die Verlierer der “modernen” Mentalität: das ihnen fremde Konzept des Landeigentums brachte sie um ihr Hab und Gut. Sie wurden in die Bergregionen verdrängt, wo sie zum Teil auch getrennt von den restlichen philippinischen Bewohnern leben. Der Fruchtbarkeit wegen sind hier große Firmen ansässig, die auch unsere Lebensmittelläden beliefern: Del Monte, Dole etc. Die Diskrepanz der Lebensbedingungen tut richtig weh. Soziale Konflikte wecken immer wieder das Gewaltpotential zwischen den Manubo und den Philippinos, ob es um Bodenschätze oder Pferdediebstahl geht. Die medizinische Versorgung fehlt mancherorts komplett.

Landschaft San Fernando

Der Anreisetag ist lang. Die Wege werden mit der Zeit immer staubiger, die Häuser einfacher, die Landschaft dafür mächtig. Wir müssen zwei Mal durch den Fluss fahren, ansonsten gibt es Brücken. Es ist eine paradiesische Landschaft, fruchtbar und grün. Der Fluss schafft sich liebliche Meander zwischen den grünen Berghängen. Das Gefühl der Idylle verfliegt beim Anblick von armen Holzhütten mit einigen Löchern in der Wand als Türen und Fenster. Kinder schleppen schwere Säcke auf dem Rücken, doch sie machen eine Pause, um uns zuzuwinken. Nach sechs Stunden Fahrt beziehen wir unser Nachtlager. Unser Team darf im oberen Stockwerk eines privaten Wohnhauses einziehen, die Familie rückt einfach für uns zusammen.

Ankündigung der Rolling Clinic

Für die Sprechstunde werden öffentliche Treffpunkte der Dörfer benutzt: meist eine überdachte Fläche, auf der gerade Korn, Kaffee oder Kakao zum Trocknen ausgebreitet wird oder die Kinder Basketball spielen. Mithilfe von Vorhängen aus den Häusern wird etwas Privatraum für die Konsultation geschaffen. Ein Tisch und Stühle stehen meistens schon für uns bereit. Am Morgen finden täglich Unterrichtsstunden über Familienplanung, Hygiene oder Zahnpflege statt. Familienplanung ist ein schwieriges Thema. Einerseits haben sie eigene Methoden mithilfe von Kräutern, andererseits werden Kinder hier noch als Kapital angesehen. Häufig erst wenn die Kleineren (sechs bis zehn Jahre) als unterernährt auffallen, sind die Eltern vielleicht zu einer adäquaten Familienplanung bereit. Staatliche Gesundheitsarbeiter oder vom Komitee ausgebildete Freiwillige helfen beim Temperatur- und Blutdruckmessen. Eine Schar von Kindern beobachtet alles ganz genau. Am Schluss der Sprechstunde sitzen sie einem fast auf dem Schoss. Bis dahin kann man schon beobachten, ob sie husten, sich dauernd kratzen oder vielleicht nur entwurmt werden müssen. Die Triage für sie läuft somit nebenbei.

Schulung

Es regnet täglich und aufgrund der großen Wassermengen kommen wir nicht wie geplant in Lugawon – ein Dorf auf der anderen Flussseite – an. Es wird eine “Emergency Clinic” im letzten Haus vor dem Fluss eingerichtet. Die Patienten werden informiert und kommen zu Fuß oder auf Pferden durch den Fluss. Die Nachfrage ist trotz der Flusslage hoch: der Zahnarzt zieht die Zähne im Garten, ich sehe die Patienten im “Wohnzimmer” und kann sie auf der Matratze sogar im Liegen untersuchen.

Viele Geschichten beschäftigen einen noch in die Nacht hinein. Die Therapieentscheidungen werden nochmal umgewälzt, da man nicht weiß, wann die Patienten das nächste Mal einen Arzt konsultieren können. Immer wieder ist es das Team, das einen in die Normalität zurückruft, indem es z. B. für das leibliche Wohl sorgt, singt oder lacht. Ich bin froh, gerade in diesen Bergdörfern zu arbeiten, denn nicht zuletzt die Landschaft ist wie Balsam für die Seele: die der Helfer und sicherlich auch die der Patienten.

Berglandschaft Marilog District

Die zehn Tage sind dann doch schnell vorbei. Auf der Rückfahrt halten wir nochmal im Krankenhaus von Valencia an: alle von uns geschickten Notfällen sind angekommen. Einige Patienten sind bereits stationär unter Therapie. Der Junge mit Verdacht auf Dengue-Fieber wurde bereits aufgenommen, das unterernährte Kind mit Ödemen gerade noch untersucht. Es ist ein gutes Gefühl, ein Krankenhaus zum Einweisen im Hintergrund zu haben.

Kinder auf unserem Rolling Clinic-Geländewagen

Das Angebot, das hier durch die Rolling Clinic und die Krankenhäuser der Organisation in Cagayan, Valencia und Buda geboten werden können, ist begrenzt. Die philippinische Regierung übernimmt insbesondere für die entfernten Bergregionen nicht ausreichend Verantwortung. Der Teufelskreis von Armut und begrenzter Hygiene- und Bildungsmöglichkeiten mit den ganzen Auswirkungen auf Leben und Gesundheit dreht sich leider weiter. An bestimmten Stellen und ganz sicher für einige Menschen konnte er etwas verlangsamt werden. Und wer kennt das nicht aus der eigenen Erfahrung: das Ernstgenommenwerden inmitten einer kritischen Situation macht die eigene Menschenwürde erfahrbar und spendet Trost. In diesem Sinne spiegelte unser Einsatz – unabhängig von Impfungen, Verbänden, Medikamenten oder Krankenhauseinweisungen – einen würdevollen Umgang mit allen Menschen wider; ganz im Sinne des Leitbilds: „Jeder Mensch zählt!“

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Herausforderungen und Lichtblicke – Krankheiten und das “Feedingzentrum”

Ein Bericht von Isabel Herrero über ihren Einsatz in Chittagong, Bangladesch

Das tägliche Krankheitsspektrum besteht neben dem Klassiker “Husten, Schnupfen und Fieber” bei Kindern meist aus Infektionserkrankungen, Unfallfolgen, Glieder- und Rückenschmerzen, etc. Immer präsent und nie zu vernachlässigen ist die Tuberkulose, die durch öffentliche Gesundheitsprogramme bei Verdacht weiterdiagnostiziert und behandelt werden kann.

Uli Speidel im BehandlungszimmerDie meisten Erkrankungen, die wir täglich behandeln, sind häufig Resultate aus schlechter Hygiene und Armut. Unzureichende Latrinen in den Slums, die Schwierigkeit an sauberes Wasser zu gelangen und Unter- bzw. Fehlernährung tragen einen Großteil dazu bei, die medizinische Situation zu verschlechtern.

Skabies (dt.: Krätze) zum Beispiel ist ein häufiges Krankheitsbild bei unseren kleinen Patienten. Oft entstehen auf den betroffenen Hautstellen durch die feuchte Hitze (fast 80 % Feuchtigkeit!) und hohe Temperaturen (bis 36 Grad Celsius) auch noch großflächige eitrige Wunden. Häufig treten auch Durchfälle durch unsauberes Wasser auf. Durch Unterernährung geschwächte Slumkinder können dann schnell schwer krank werden und müssen ins Krankenhaus eingewiesen werden. Medikamente und anfallende Behandlungskosten werden dann von unserem Projekt übernommen.

Feedingzentrum

Feedingzentrum

Trotzdem ist eine Einweisung eine Herausforderung für die betroffenen Familien, da in den öffentlichen Krankhäusern immer eine Begleitung notwendig ist. In der Regel wird die Mutter mit in das Krankenhaus aufgenommen, die sich dann um Essen und Pflege des Kindes kümmert. Bei Ausfall der Mutter müssen die älteren Geschwister zu Hause dann die Betreuung der Jüngeren übernehmen. Gerade mal zehn bis elf Jahre alte Kinder kümmern sich dann tapfer um ihre kleinen Geschwister, während der Vater weiterarbeiten muss, um wenigsten ein paar Taka nach Hause zu bringen. Die Schule spielt in solchen Situationen eine untergeordnete Rolle.

Trotz alledem versuchen wir in unserer Ambulanz den Familien einen kleinen Lichtblick anzubieten. Neben der medizinischen Versorgung können sie bei uns ihre Sorgen loswerden und sich Rat und Hilfe holen. Zusätzlich hat ganz neu im Januar 2012 unser “Feedingzentrum” die Türen geöffnet. Zentral gelegen bieten wir Hilfe direkt vor Ort im Slum an. Das Ernährungsprojekt ist für mittel bis schwer unterernährte Kinder gedacht. Neben täglichem Essen mit hochkalorischer Kost, die im Zentrum hergestellt wird, bieten wir dort eine Tagesbetreuung der Kinder sowie auch eine Mütterberatungstelle an. Einmal die Woche fahren wir Ärzte zur Untersuchung und Überwachung der Behandlung ins Zentrum und leiten wenn nötig weitere Untersuchungen oder Therapien ein.

spielende Kinder mit Isabel Herrero

spielende Kinder mit Isabel Herrero

Die Mitarbeit und Aufbau an diesem neuen Teil in unserem Projekt in Chittagong macht sehr viel Spaß. Die Herausforderung bleibt durch gute Vorsorge Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen. Das macht nicht nur Spaß, sondern auch Hoffnung auf eine grundlegende Verbesserung der Situation.

Ein Kind in Bangladesch “hätte” die gleichen Chancen der körperlichen und geistigen Entwicklung wie ein europäisches Kind – diesem Ziel durch verbesserte Ernährung und Erziehung näherzukommen wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung.

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Slums, Rikshaws und unser Medical Centre

Ein Bericht von Isabel Herrero über ihren Einsatz in Chittagong, Bangladesch

Nach einer fast zweitägigen Reise via Dubai und Dakha kam ich endlich Ende März in Chittagong an. Diese im Südosten Bangladeschs liegende Hafenstadt beeindruckt bereits auf den ersten Blick mit einem Gewühl und Gewimmel aus Rikshaws, Baby-Taxis (Tuk-Tuks) und vielen vielen Menschen. Bangladesch ist das bevölkerungsdichteste Land der Erde (aktuell 169 Millionen Menschen laut WHO) – und leider auch das drittärmste Land. Ca. ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze und gerade in den Städten nimmt das Bevölkerungswachstum speziell in den Slumgebieten zu.

Gewimmel auf Chittagongs Straßen

Gewimmel auf Chittagongs Straßen

Diese Slums unterschiedlicher Größe sind eingestreut in die etwas besseren Viertel. Unsere kleine Ambulanz “MCPP” (Medical Centre for the Poorest of the Poor) liegt in Pathergata, einem christlich-portugiesisch geprägten Viertel. Nicht weit entfernt von uns beginnen schon die Slums, von wo aus der größte Teil unserer Patienten stammt.

Jeden Morgen starten wir German Doctors um 8 Uhr zusammen mit unserem bangladeshi Staff die Sprechstunde für die “Ärmsten der Armen” . Vornehmlich Mütter mit Kindern suchen unsere Hilfe, aber auch hart arbeitende Rikshawfahrer und ältere alleinstehende Frauen gehören dazu. Kurz vor der Sprechstunde finden kleine Lehrstunden durch unsere Krankenschwester Ana statt, in denen in einfacher Sprache über wichtige Themen wie Hygiene und Ernährung gesprochen wird.

Ein kleiner Patient beim Wiegen

Ein kleiner Patient beim Wiegen

Jeder Patient zeigt bei Ankunft seine gelbe Patientenkarte vor, bevor er gewogen und gemessen wird. Die Daten der Kinder werden dann bis zum fünften Lebensjahr in ihrer Größentabelle eingetragen, so dass der behandelnde Arzt sofort erkennt, ob dieses Kind an Unterernährung leidet. Unsere Übersetzer rufen dann die Patienten – nach Wartezeit und Dringlichkeit geordnet – auf. Als Nächstes werden die Patienten in den Sprechstundenzimmern durch unsere Übersetzer befragt. Diese Vorarbeit ist Gold wert, denn nur durch eine gute Anamnese kommt man zum Kern des Problems. Nicht selten verstecken sich hinter Schmerzen und Schwäche ganz andere, meist soziale Probleme. Nach eingehender Untersuchung leiten wir dann die Behandlung ein, die neben Medikamenten auch Verbände, Gipse oder Infusionstherapien beinhaltet. Weitere Untersuchungen sind in unserem Zentrum auch möglich. So können wir notwendige Laboruntersuchungen einleiten oder Röntgenbilder und Ultraschall erstellen lassen.

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80 Patienten pro Tag im nicaraguanischen Bergland

Ein Bericht von Eckhard Klör über seinen Einsatz in Ocotal, Nicaragua

Unsere Basisstation liegt in Ocotal, einer Kleinstadt von ca. 30.000 Einwohnern nahe der honduranischen Grenze ca. 4 Stunden nördlich von Managua, der Hauptstadt Nicaraguas.

Nicaragua-Ocotal_EckhardKloer_ClinicaMovil_Dr. Klör und Patienten

Momentan sind mein Kollege “Zahn” Dr. Walter Schweizer und ich (Internist / Diabetologe) im Einsatz. Von unserer Basisstation aus besuchen wir zusammen mit unserem Team täglich verschiedene Orte, meist Bergregionen.

Nicaragua-Ocotal_EckhardKloer_ClinicaMovil_Zahnarzt Dr. Walter Schweizer

Mit der Clinic Movíl (unserem Allrad-Fahrzeug samt Fahrer, Krankenschwester, Zahnarthelferin, Apothekenhelferin und den zwei Ärzten) starten wir morgen zwischen 7:30 Uhr und 8 Uhr nach Einsatzplan “Programma de consultas medicas”. Wir fahren, teils im Schritttempo, durch viel unwegsames Gelände mit bis zu 90 min. Anfahrtzeit auf über 1.200 m Meereshöhe  (Die “Nicas” laufen teils bis viere Stunden zu uns).

Nicaragua-Ocotal_EckhardKloer_ClinicaMovil_WartendePatienten

Das medizinische Spektrum besteht aus Magen-/Darminfektionen mit und ohne Parasitenbefall. Außerdem Hautinfektionen und Kopf-/Gelenkbeschwerden. Neben der zahnärztlichen Betreuung mit Zahn-/Wurzelentfernungen, sowie Kontrollen des Zahnstatus, haben wir wieder damit begonnen, regelmäßig Sehprüfungen durchzuführen. Die Vergabe von mitgebrachten älteren deutschen Brillen ist für viele Patienten hilfreich und verbessert deren Lebensqualität deutlich.

Nicaragua-Ocotal_EckhardKloer_ClinicaMovil_Brillenausgabe

In der bisherigen Zeit konsultierten mich bis zu 80 Patienten täglich (bei meinen Vorgängern waren teils weit über 100 Patienten). Ca. 45 Fälle täglich sind zahnärztlicher Art.

Gestern untersuchte ich einen Säugling ( s. Bild unten) mit 39,7°C Fieber und mehr als 100 Atemzügen/Minute im Dämmerzustand. Es handelte sich um eine lebensbedrohliche Lungenentzündung mit asthmatiacher Komponente, so dass wir Mutter samt Kind mit nach Ocotal nahmen.

Nicaragua-Ocotal_EckhardKloer_ClinicaMovil_Säugling

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